Baden-WürttembergNach Leipziger Drohnen-Vorfall: Airport Stuttgart rüstet auf

Immer wieder werden Drohnen in der Nähe von Flughäfen gemeldet – auch in Stuttgart. Ein neues System soll sie künftig früher erkennen. Bisher ist das aber nur eine Interimslösung.
Stuttgart (dpa/lsw) - Eine Drohne am Flughafen Leipzig/Halle hatte das Thema Sicherheit an Flughäfen vor wenigen Wochen in den bundesweiten Fokus gerückt: Neben anderen Städten ist nun auch am Stuttgarter Flughafen ein neues System zur Identifikation von Drohnen in Betrieb genommen worden. Mit diesem sollten unautorisierte Flugobjekte künftig frühzeitig erkannt werden, die Lage solle schneller bewertet und der Betrieb gezielter geschützt werden, sagte Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU).
Vorfall in Leipzig beschleunigte die Arbeiten
Spätestens seit Leipzig wisse man, dass es mit Drohnen eine ganz neue Bedrohungslage an den Flughäfen gebe. "Wir dürfen nicht erst handeln, wenn es zu einem solchen Vorfall kommt, wenn eine Drohne den Flughafenbetrieb bereits ernsthaft gefährdet, sondern wir müssen entsprechend vorbereitet sein", sagte Razavi.
Anfang August wurde am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff präparierte Drohne neben ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt. Die Bundesregierung machte Russland für den versuchten Angriff verantwortlich. Moskau wies die Vorwürfe zurück.
Flughafen-Chef begrüßt neues System
Am Flughafen Stuttgart seien dieses Jahr bereits acht Drohnen gesichtet worden, sagte Ulrich Heppe, Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart. Zwei davon seien im sogenannten Gefahrenbereich rot gewesen, das heißt, dass der Flugbetrieb zwischenzeitlich eingestellt worden sei, da für ein Flugzeug eine unmittelbare Gefahr drohte.
Vergangenes Jahr seien elf Drohnen gesichtet worden - vier davon im Gefahrenbereich rot. "Das kann natürlich zunehmen, deshalb ist es gut, dass wir jetzt vorbeugend die Luftsicherheit auf das neueste Niveau bringen", sagte Heppe.
Sensoren sollen Flugobjekte identifizieren
Und so funktioniert das neue System: Rund um das Gelände wurden Sendemasten installiert, die mit Sensoren versehen sind, wie Heppe erklärt. Diese erkennen, ob und wo ein Flugobjekt fliegt. Ist dies der Fall, wird der Standort demnach an das Lagezentrum gesendet, wo beispielsweise anhand von Geschwindigkeit und Standort des Flugobjekts entschieden werden kann, wie reagiert werden soll.
"Für uns ist es am wichtigsten, dass der Flughafen nicht schließen muss", sagte Hepper und verwies auf den großen wirtschaftlichen Schaden, der durch eine Schließung verursacht werde.
Bisher sei man darauf angewiesen gewesen, dass die Drohnen von der Flugsicherheit aus dem Tower selbst, von Piloten, der Polizei oder von Bürgern gemeldet würden, sagte Heppe. Hierbei habe es jedoch auch viele Falschmeldungen gegeben – beispielsweise, wenn Menschen einen hellen Stern für eine Drohne hielten, sagte Heppe. Mit der neuen Technik könne schneller festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine handele.
Neues System ist Interimslösung
Neben Stuttgart wurde auch am Flughafen Hamburg ein System zur Erkennung von Drohnen in Betrieb benommen. Der Flughafen Leipzig/Halle soll noch in dieser Woche folgen. "Damit sind dann alle acht großen deutschen Verkehrsflughäfen mit moderner Drohnendetektion im An- und Abflugbereich ausgestattet", sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU).
Bei dem neuen System handelt es sich ihm zufolge um eine Interimslösung. Bis Ende Januar 2027 sollen bundesweit alle Flughäfen mit einem langfristigen System ausgestattet werden. An der Planung bezüglich der Abwehr von Drohnen arbeite man ebenfalls "mit Hochdruck", sagte Bilger.