Niedersachsen & BremenMetall-Tarifauftakt in Niedersachsen ohne Annäherung

Zehntausende Menschen arbeiten in Niedersachsen in der Metall- und Elektroindustrie. Für sie fordert die IG Metall mehr Geld. Doch zum Auftakt der Verhandlungen lagen die Positionen weit auseinander.
Hannover (dpa/lni) - Die erste Verhandlungsrunde für die Beschäftigten der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie ist ohne Annäherung zu Ende gegangen. Die Arbeitgeber hätten die Forderung zurückgewiesen und kein eigenes Angebot vorgelegt, teilte die IG Metall mit. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Sie begründet das unter anderem mit gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Außerdem will die IG Metall über die Sicherung von Jobs und Standorten sowie über eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten in erfolgreichen Unternehmen sprechen. Die Tarifrunde müsse auch dem Umstand Rechnung tragen, dass sich die Branche wirtschaftlich uneinheitlich entwickle. Das dürfe aber kein pauschaler Grund für einen generellen Verzicht auf höhere Entgelte sein. Die Beschäftigten hätten den Wandel mitgetragen und große Flexibilität bewiesen.
Dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt haben, überrascht IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Thorsten Gröger nicht. Dennoch sei "ein wenig mehr Empathie für die Situation der Beschäftigten" angemessen. Nun liege der Ball bei den Arbeitgebern. Bis zum nächsten Termin am 27. Oktober hätten sie Gelegenheit, die Argumente gewissenhaft zu prüfen und eigene Vorschläge zu machen.
Arbeitgeber warnen vor weiteren Belastungen
NiedersachsenMetall verwies zum Verhandlungsauftakt auf die angespannte Lage der Branche. Die Produktion der Metall- und Elektroindustrie liege rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2018, teilte der Arbeitgeberverband mit. Seitdem seien bundesweit fast 350.000 Jobs verloren gegangen. Außerdem arbeite die Branche seit drei Jahren mit einer zu niedrigen Kapazitätsauslastung. "Der Beschäftigungsabbau ist keine theoretische Gefahr für unsere Branche, er findet längst statt", sagte Arbeitgeber-Verhandler Mladen Petkovic.
Rund jeder vierte Betrieb rechnet demnach im laufenden Jahr mit Verlusten, bei einem weiteren guten Fünftel fallen die Gewinne nur mager aus. "Wir brauchen einen tariflichen Rahmen, der auch für Unternehmen funktioniert, die unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen", sagte Petkovic. Die Forderung der IG Metall passe deshalb nicht zur Lage vieler Betriebe.
Für VW-Beschäftigte wird separat verhandelt
Der Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie regelt Entgelt und Arbeitsbedingungen. Wichtige Sparten sind Maschinenbau, Metallbearbeitung und Elektrotechnik. Warnstreiks sind ab dem 1. November möglich. Sollte es bei dem nächsten Gespräch an einer ernsthaften Verhandlungsgrundlage fehlen, werde man die gebotenen Konsequenzen ziehen, teilte die IG Metall mit.
Die IG-Metall-Bezirksleitung in Hannover ist für zwei Tarifgebiete im Land zuständig: Niedersachsen und Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Dort wird separat verhandelt. Insgesamt sind davon etwa 120.000 Beschäftigte betroffen. Der Nordwesten Niedersachsen gehört zum Bezirk Küste, der auch Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern umfasst.
Für die Beschäftigten der Volkswagen AG wird ebenfalls getrennt verhandelt. Sie haben einen eigenen Haustarifvertrag, der zum Jahresende ausläuft.