Rheinland-Pfalz & Saarland950 Streikstunden bei der Saarbahn – Fahrgäste trifft es

In dem Tarifstreit ist kein Kompromiss in Sicht. Was bedeutet das für die Fahrgäste und wie reagieren Unternehmen und Gewerkschaft auf die Lage?
Saarbrücken (dpa/lrs) - 40 Streikaufrufe, rund 950 Streikstunden und weiter keine Einigung: Im Tarifkonflikt bei der Saarbahn bleiben die Fronten verhärtet. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat nun einen weiteren Ausstand bis zum 31. Oktober angekündigt, der allerdings zeitweise und punktuell unterbrochen werden soll.
Die Saarbahn baut unterdessen ihr Ersatzkonzept aus und versucht, ihren Betrieb unabhängiger von den Arbeitskämpfen zu machen. Rund 20 zusätzliche Beschäftigte seien inzwischen für den TramTrain- oder Straßenbahnbereich qualifiziert oder dort eingesetzt, sagte Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel. Weitere Fahrer sollten folgen. Die Strategie fasst er so zusammen: "Die GDL streikt – die Saarbahn fährt."
Kritik am Bahnsteig
Dennoch: Für Fahrgäste bedeutet der Tarifkonflikt weiter Ausfälle, längere Fahrzeiten und Schienenersatzverkehr. An der Haltestelle Römerkastell in Saarbrücken äußerten mehrere Befragte kaum noch Verständnis für das Kräftemessen zwischen Saarbahn und Gewerkschaft. Vor allem Besitzer von Jahreskarten kritisieren, ihre Tickets weiter vollständig bezahlen zu müssen, obwohl das Angebot eingeschränkt sei.
Die finanziellen Folgen des monatelangen Konflikts sind derweil unklar, die Angaben darüber gehen auseinander: Die Saarbahn nennt keine konkrete Summe für Ersatzverkehr und weitere streikbedingte Maßnahmen.
Die GDL beziffert die bisherigen Kosten des externen Ersatzverkehrs laut einer eigenen Modellrechnung auf rund 1,71 Millionen Euro. Für den bis Ende Oktober angekündigten Arbeitskampf könnten nach ihrer Rechnung mehr als 380.000 Euro hinzukommen, falls der Ersatzverkehr entsprechend fortgeführt werde.
Die Saarbahn weist die Größenordnung der Ersatzverkehrskosten zurück: Die tatsächlichen Kosten lägen unter den "fiktiven Annahmen" der Gewerkschaft, so Saarbahn-Geschäftsführer Nagel.
Millionen-Kosten?
Das Unternehmen warnt vor dauerhaft hohen Kosten eines Tarif-Abschlusses nach den Vorstellungen der GDL. Einschließlich möglicher Folgewirkungen könnten diese nach Darstellung der Saarbahn mehrere Millionen Euro pro Jahr betragen. Für ihre Tarifforderungen im Jahr 2026 nennt die Gewerkschaft Mehrkosten von rund 145.000 Euro.
Hintergrund des festgefahrenen Tarifstreits: Die GDL will für die TramTrain-Fahrer weiterhin einen eigenen Tarifvertrag. Saarbahn und Kommunaler Arbeitgeberverband Saar (KAV) lehnen das ab und wollen die Tarifpartnerschaft mit der GDL nicht fortsetzen.
KAV-Geschäftsführer Stefan Spaniol betonte: "Einen weiteren eigenständigen Tarifvertrag mit der GDL wird es nicht geben." Die Gewerkschaft habe sich durch ihre Position und ihr Handeln selbst disqualifiziert. "Das ist keine Tarifverhandlung", erklärte dagegen die GDL. Wer nur noch die eigene Rechtsauffassung umsetzen wolle, verlange keinen Kompromiss, sondern "Unterwerfung".
Damit bleibt der Konflikt vorerst festgefahren: Die Arbeitgeberseite will keinen neuen eigenständigen GDL-Tarifvertrag. Die Gewerkschaft beabsichtigt, genau diesen weiter durchzusetzen. Dazwischen stehen die Fahrgäste – nach inzwischen rund 950 Streikstunden.