Mecklenburg-VorpommernKokain-Fahrt mit der Segeljacht - Skipper sagt weiter aus

Die Segeljacht sollte Kokain von Kolumbien nach Europa bringen. Ein Plan, der nicht aufging. Die Polizei stoppte das Boot im Atlantik. Der Skipper gibt bereitwillig Auskunft.
Rostock (dpa/mv) - Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wird vor dem Landgericht Rostock der Prozess gegen ein Paar wegen mutmaßlichen Schmuggels von über einer viertel Tonne Kokain fortgesetzt. Sie sollen das Rauschgift im vorigen Jahr in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena an Bord einer Segeljacht genommen haben und dann mit Kurs Europa aufgebrochen sein. Der 59-jährige Skipper gestand die Tat bereits, will aber heute weitere Angaben machen.
Mitangeklagt ist seine 68-jährige Frau, die ihn auf der Segelreise mit der 14-Meter-Jacht begleitete, die von Havarien, Stürmen und Ersatzteilpannen geprägt war. Das aus dem Landkreis Rostock stammende Duo war laut Anklage am 4. Juli 2025 mit rund 264 Kilogramm Kokain an Bord von Kolumbien aufgebrochen und am 8. August von der portugiesischen Polizei im Atlantik in der Nähe der Azoren gestoppt worden.
Hochgefährdet
Das Kokain im Schwarzmarktwert von etwa 15 Millionen Euro hatte der Angeklagte von seinen Kontaktleuten in Cartagena in Einkaufstüten erhalten. Das Rauschgift verpackte er dann nach eigenen Worten in wasserdichte Säcke und versteckte es unter anderem unter dem Kajütenbett. Seine Frau habe von dem Rauschgift nichts gewusst, beteuerte der 59-Jährige mehrmals. Nach Angaben ihres Verteidigers wird die Angeklagte am 6. November aussagen.
Der Mann wird bei den Prozesstagen stets mit Handschellen, die Frau mit Fußfesseln in den Gerichtssaal 2.002 geführt. Dort sind Justizbeamte und maskierte Polizisten anwesend. Besucher müssen Sicherheitsschleusen passieren. Die Jalousie-Vorhänge des Saals bleiben zum Sichtschutz während der Verhandlungen geschlossen. Die Angeklagten gelten als "hochgefährdet" und sollen vor etwaigen Bedrohungen aus dem Milieu der Organisierten Kriminalität geschützt werden.
Lebensbedrohliche Situationen auf hoher See
Bei der Hinfahrt nach Lateinamerika musste das Paar teils lebensbedrohliche Situationen auf hoher See meistern. Immer wieder ging wichtige Ausrüstung zu Bruch. Heftige Stürme setzten der Jacht zu. Bei einem Sturm ging auf der Hinfahrt die Vorsegelanlage kaputt und der Autopilot funktionierte nicht mehr.
Zwischenfälle gab es auch auf der Rückfahrt. Dort lief die Jacht an einem Atoll bei den Bahamas auf ein Riff, wo das Boot mehrere Tage lang festlag. Auf die Havarie auf dem Atoll sei sogar die US-Küstenwache aufmerksam geworden. Tags darauf sei die Jacht dann freigeschleppt worden.