Hamburg & Schleswig-HolsteinSPD irritiert vom Nein der Grünen zum Naturkundemuseum

Die Grünen sprechen sich überraschend gegen den Bau eines Naturkundemuseums in Hamburg aus. Der SPD-Koalitionspartner zeigt sich verärgert: "Der Vorstoß der Grünen war mit uns nicht abgestimmt."
Hamburg (dpa/lno) - Die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat das plötzliche Nein des Grünen-Koalitionspartners zu einem Naturkundemuseum verärgert zur Kenntnis genommen. "Der Vorstoß der Grünen war mit uns nicht abgestimmt", sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Ein Naturkundemuseum habe für Wissenschaft, Forschung und die naturkundlichen Sammlungen in Hamburg eine große Bedeutung. "Deshalb hätten wir uns eine sorgfältige Beratung und Abstimmung in der Koalition gewünscht", sagte Kienscherf.
Umso bemerkenswerter sei, dass die Grünen nun aus der Fraktion heraus einem Prestigeprojekt der grün geführten Wissenschaftsbehörde eine Absage erteilen. "Das nehmen wir mit einiger Verwunderung zur Kenntnis." Jetzt komme es darauf an, dass die Grünen-Fraktion und ihre Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) zu einer gemeinsamen Haltung kommen.
Zuvor hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Michael Gwosdz angesichts knapper Kassen überraschend für einen Verzicht auf ein Naturkundemuseum plädiert. "Es ist an der Zeit, umzusteuern: Wir können nicht bei Kitas, Schulen und Hochschulen um jeden Euro ringen und gleichzeitig knapp eine halbe Milliarde für ein großes Museumsprojekt ausgeben."
Das neue Angebot des Hamburger Immobilienunternehmens Büll & Liedtke, das Naturkundemuseum für 495 Millionen Euro in Teilen des Stadtkontors hinter dem Hauptbahnhof unterzubringen, überzeuge nicht, sagte Gwosdz. "100 Millionen Euro weniger machen aus einem sehr teuren Projekt noch lange kein Schnäppchen." Das vom rot-grünen Senat im Elbtower geplante Naturkundemuseum soll 595 Millionen Euro kosten. Gwosdz sagte, seine Fraktion werde einer Lösung mit diesen Kosten nicht zustimmen.