BayernPolizei: Weniger Gewalt im Nürnberger Bahnhofsumfeld

Drogen, Körperverletzungen, Vergewaltigungen: Der Nürnberger Hauptbahnhof hatte bei Reisenden und Ermittlern zuletzt einen besonders schlechten Ruf. Jetzt meldet die Polizei erste Erfolge.
Nürnberg (dpa/lby) - Polizei und Stadt melden Erfolge im Kampf gegen Kriminalität im Nürnberger Bahnhofsumfeld, das zuletzt durch Vergewaltigungen von Minderjährigen unter Drogen Schlagzeilen gemacht hatte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Zahl der Körperverletzungen in dem Areal mehr als halbiert worden, teilten Polizei und Stadtverwaltung mit. Straftaten mit Messern seien um ein Drittel gesunken, die Zahl der Raubdelikte mehr als halbiert worden.
Der Nürnberger Hauptbahnhof hatte zuletzt wegen großer Probleme mit Kriminalität einen schlechten Ruf bei Reisenden und Ermittlern. Ab Ende 2023 habe sich im südlichen Umfeld "eine offene und zunehmend aggressive Betäubungsmittelhändlerszene entwickelt", teilte die Polizei mit. "Teilweise hielten sich mehrere Dutzend Händler auf dem Platz auf und sprachen Passanten aktiv an." Abgelehnte Verkaufsangebote hätten immer wieder zu Konflikten und Gewalt geführt, "Körperverletzungs- und Sexualdelikte stiegen deutlich an".
Vergewaltigungen und Drogen - Mehr als 20 Festnahmen
Zuletzt sorgten Festnahmen der Ermittlungskommission "Kajal" in dem Milieu für Schlagzeilen: Mehrere Männer sollen Jugendliche mit Drogen gelockt, gefügig gemacht und vergewaltigt haben. Inzwischen sitzen in dem Zusammenhang mehr als 20 Männer in Untersuchungshaft.
Um die Gegend südlich des Hauptbahnhofs wieder sicherer zu machen, griffen die Behörden zu unterschiedlichen Maßnahmen: Pflanzen wurden zurückgeschnitten, damit Dealer sich schlechter verstecken können, nahezu ständig waren laut Polizei Beamte in der Gegend. Eine "besonders große Rolle" schreiben die Ermittler der Ausweisung als Waffen- und Messerverbotszone und als Cannabisverbotszone zu.
Die Szene verschwindet - aber wohin?
Bei den Ermittlungen nach Straftaten habe sich zudem bewährt, dass Verfahren zu Intensivtätern bei spezialisierten Staatsanwälten gebündelt wurden: 40 Intensivtäter seien inhaftiert, 14 abgeschoben worden.
Der besonders betroffene Nelson-Mandela-Platz sei "wieder ein städtischer Platz, auf dem man sich gerne und vor allem wieder unbesorgt aufhalten kann", sagte Polizeipräsident Gernot Rochholz am Freitag. Er wies aber auch darauf hin, dass andernorts nun möglicherweise eine neue Szene entstehe.
Rochholz sagte: "Drogenhändler sollen sich an keinem Ort in Nürnberg wohlfühlen. Wir haben ein Auge auf sie und schreiten konsequent ein." Der Hauptbahnhof und sein Umfeld würden auch in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit bleiben.