HessenNur eines im Sinn: Hirsche röhren um die Wette

Zur Paarungszeit werden aus Kumpels erbitterte Rivalen: Wer schafft es im Hanauer Wildpark, die Konkurrenz auszustechen und den Harem zu erobern?
Hanau (dpa/lhe) - Sie sind vollgepumpt mit Testosteron und haben nur eines im Sinn: Friedel, Gunwald und Loki röhren deshalb im Hanauer Wildpark "Alte Fasanerie" um die Wette. Wer von ihnen wird der neue Platzhirsch und darf sich mit den 13 Hirschkühen paaren? Das Rennen ist derzeit noch offen, wie Wildpark-Försterin Sabine Scholl erklärt.
Favorit ist die bisherige Nummer eins, Friedel. Mit elf Jahren ist er im besten Alter für eine Titelverteidigung. Gunwald (7) und Loki (6) wollen ihn entthronen, ihnen fehlt aber noch ein wenig die Erfahrung.
Wenn zwei sich streiten
Doch mit etwas List und Glück kann sich auch ein vermeintlicher Verlierer durchsetzen: Wenn zwei Hirsche sich auf ihren Kampf konzentrieren, kann der unbeteiligte Dritte zum Zuge kommen, falls er in diesem Moment eine willige und bereite Hirschkuh findet - oder auch zwei, wie Scholl erklärt.
Sexlust macht aus Kumpeln erbitterte Rivalen
Auch wenn in diesem Herbst offen ist, wer Sieger im Gehege sein wird - eines ist klar: "Nach der Brunftzeit sind die Hirsche heiser und durch", sagt die Försterin. Bis zu einem Viertel ihres Körpergewichts verlieren die Hirsche. Wochenlang um den Harem buhlen, sich akustisch und optisch in Szene zu setzen, dabei die Konkurrenz im Auge behalten und gelegentlich das Geweih mit den Rivalen kreuzen: Das kostet Kraft. Zumal den Hirschen derzeit nicht so recht der Sinn nach Fressen steht, wie Scholl berichtet.
Die Sexlust macht aus den eigentlich friedlichen Hirschen in der Brunft erbitterte Rivalen. "Im restlichen Jahr sind das die besten Kumpels", berichtet die Försterin.
Keiner röhrt so gut wie der Rothirsch
Der heimische Rothirsch kann sich Scholl zufolge im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen. Sein Röhren in der Brunft sei wirklich imposant, findet sie. Der nordamerikanische Wapiti signalisiere seinen Paarungswillen dagegen eher mit Quietschlauten. Und der aus Ostasien stammende Sikahirsch klinge "wie eine schlecht geölte Tür".
Und auch Elch und Damhirsch, die ebenfalls in dem Wildpark leben, können es nicht mit dem Röhren des Rothirschs aufnehmen: Von dem einen kommt nur ein Stöhnen und vom anderen eher ein Rülpsen. Das Rülpsen scheint aber keine große Rolle zu spielen. Beim Damwild herrsche Damenwahl, erklärt die Försterin. Was aber nichts mit dem Gattungsnamen der Tierart zu tun hat.
Besser mit Fernglas
Ob Rothirsch, Damwild oder Elch: Den Besucherinnen und Besuchern des Wildparks bietet sich jedenfalls ein richtiges Herbstidyll. Die Rothirsche halten sich mit ihrem Imponiergehabe zwar nicht an feste Zeiten, doch Scholl rät zu einem Besuch am Nachmittag. Da das Gehege groß ist und die Liebesrituale sich nicht unbedingt im Vordergrund abspielen, empfiehlt sie Naturinteressierten, ein Fernglas mitzubringen.