SachsenGeburtshilfe unter Druck: Parteien fordern Gesamtplan

Seit 1991 ist die Zahl der sächsischen Krankenhäuser mit Entbindungsstation von 54 auf 34 gesunken. Jetzt drohen weitere Schließungen.
Dresden (dpa/sn) - Die Geburtshilfe in Sachsen gerät immer mehr unter Druck. Nach der geplanten Schließung der Entbindungsstation in Kamenz zum Jahresende steht nun auch der Kreißsaal in Zschopau vor dem Aus. Vor diesem Hintergrund fordern vier Fraktionen im Landtag - CDU, SPD, Grüne und Linke - in einem gemeinsamen Antrag eine Gesamtstrategie für die Geburtshilfe im Freistaat. Grundlage sind frühere Anträge von Grünen und Linken.
"Kamenz, Zschopau und die Schließung vieler weiterer Kreißsäle im ländlichen Raum zeigen: Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie die Geburtshilfe unter Kostendruck immer weiter ausgedünnt wird. Wenn Geburtsstationen schließen, werden die Wege für Schwangere länger - und die wohnortnahe Versorgung gerät in Gefahr", betonte Grünen-Fraktionschefin Franziska Schubert. Nötig sei eine vorausschauende Planung, die Versorgungslücken verhindere.
"Wer möchte, dass junge Familien im ländlichen Raum bleiben oder sich dort niederlassen, muss auch für eine gute Gesundheitsversorgung sorgen. Eine wohnortnahe Geburtshilfe und die Betreuung durch Hebammen von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett sind unverzichtbar", so Schubert. Arbeitsbedingungen der Hebammen müssten verbessert, ihre Expertise gestärkt und neue Versorgungsangebote ermöglicht werden.
Experten sollen bis Ende 2027 Gesamtstrategie vorlegen
Dem Antrag zufolge soll noch in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe entstehen, die bis Ende März 2027 erste Ergebnisse vorlegt und bis Ende 2027 eine Strategie für die Geburtshilfe in Sachsen entwickelt. Die Antragsteller verweisen darauf, dass die Zahl der Krankenhäuser mit einer Entbindungsstation seit 1991 von 54 auf 34 gesunken ist. Der Antrag steht zur nächsten Plenarsitzung am 4. November auf der Tagesordnung.
"Sachsen darf nicht noch mehr Kreißsäle verlieren, ohne Alternativen zu schaffen", betonte Linke-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper. Das sorge in vielen Gebieten für lange Wege. "Auch wenn die Geburtenzahl sinkt, verdienen alle Familien im ganzen Land die Sicherheit, dass sie rechtzeitig eine qualifizierte Einrichtung erreichen können. Jedes Kind hat das Recht auf eine sichere Geburt in der Nähe seines Zuhauses."
Expertise des gesamten Personals rund um Geburt gefragt
Schaper hält es für unverzichtbar, die Expertise des gesamten Personals zu nutzen und die Zusammenarbeit auszubauen - auch die von Hebammen, Entbindungspflegern und Ärzten. "Arbeitsbedingungen, Fachkräftegewinnung und Fachkräftebindung müssen besser werden, insbesondere für Hebammen, die wieder in den Beruf einsteigen oder sich weiterqualifizieren wollen." Auch der Rettungsdienst solle einbezogen werden.
"Wir müssen heute die Weichen dafür stellen, dass Schwangere, werdende Eltern und Familien auch in Zukunft auf eine verlässliche Versorgung vertrauen können. Dafür brauchen wir langfristige Lösungen statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen", sagte Laura Stellbrink, Sprecherin für Sozialpolitik bei der SPD-Fraktion. Geburtshilfe sei Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und ein wichtiger Standortfaktor für Familien in ganz Sachsen.
Strukturen stabilisieren, Versorgungslücken frühzeitig erkennen
"Ziel ist es, bestehende Strukturen zu stabilisieren, Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und die Geburtshilfe so weiterzuentwickeln, dass sie auch künftig den Bedürfnissen von Familien in Stadt und Land gerecht wird", erklärte Stellbrink. Die Zukunft der Geburtshilfe lasse sich nur gemeinsam sichern. "Wir müssen die Menschen einbeziehen, die tagtäglich Verantwortung für Schwangere, Mütter und Neugeborene übernehmen."