Rheinland-Pfalz & SaarlandSo sauber sind Rastplätze ohne Gastro in Rheinland-Pfalz

Nach Stopps von Bussen mit Fußballfans sind Raststätten besonders häufig stark verschmutzt und beschädigt. Geklautes Klopapier und abmontierte Seifenspender sind nicht selten.
Argenthal (dpa/lrs) - Drei Toiletten für Frauen, zwei für Männer plus drei Urinale - alles sauber, Toilettenpapier und Seife sind vorhanden. So sieht der Rastplatz Argentahl im Hunsrück an der Bundesstraße 50 morgens gegen zehn Uhr aus. Ein Mitarbeiter einer Reinigungsfirma war gerade über eine Stunde im Einsatz, die Männertoiletten waren extrem verschmutzt.
Zweimal am Tag wird der Sanitärbereich an der Raststätte geputzt, sieben Tage in der Woche morgens und abends. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) ist für die Betreuung und damit auch die Sauberkeit an den Rastanlagen in Rheinland-Pfalz zuständig. Die Reinigungsarbeiten der Toiletten werden von einer privaten Fremdfirma erledigt. Dazu kommt ein weiterer Betrieb, der sich um den Müll an Rastanlagen und das Leeren der Mülleimer kümmert. Dreimal pro Woche geschieht das.
Der Rastplatz hat einige Tische und Bänke, bewirtschaftet ist er nicht. Es gibt knapp 20 Lkw-Stellplätze. "Nachts sind die immer voll. Die Stecke ist sehr befahren", berichtet Falk Wulf, Straßenwärtermeister der Straßenmeisterei Simmern. Die Bundesstraße geht direkt von der hoch frequentierten linksrheinischen Autobahn A61 ab.
Vollkommen mit Graffiti beschmiert
Der Rastplatz Argentahl liegt baugleich an beiden Seiten der Bundesstraße und wurde vor rund fünf Jahren gebaut. Die Ausstattung der Sanitäranlagen ist aus Edelstahl, gut zu reinigen und zum Schutz vor Vandalismus schwer zu demontieren. Einmal wurde das gesamte Toilettenhaus bereits neu gestrichen, weil es vollkommen mit Graffiti beschmiert war.
Der meiste Dreck, die ekligsten Verunreinigungen und der größte Vandalismus kommen nach Angaben von Wulf nicht von den Lkw-Fahrern, die regelmäßig in der Nacht Stopp im Hunsrück machen. Reisende in Bussen, vor allem Fußball-Fans, hinterließen oft die schlimmsten Verwüstungen. Es mussten auch schon extra Firmen für die Rohreinigung zum Abfluss der Fäkalien beauftragt werden, weil die Rohre dermaßen verstopft und verdreckt waren. Geklautes Klopapier und abmontierte Seifenspender kommen immer wieder vor.
Man kennt sich mittlerweile
Musa Berisa von der Sanitärreinigungsfirma berichtet auch von 20 Litern Öl, die auf der Damentoilette offenbar aus Spaß am Vandalismus ausgekippt wurden. Die Reinigung sei total aufwendig, schwierig und langwierig gewesen. Mit den Lkw-Fahrern komme er mittlerweile gut aus, man kenne sich inzwischen. Von randalierenden Gruppen aus Bussen halte er sich fern.
Der Landesbetrieb Mobilität betreut insgesamt 565 unbewirtschaftete Rastanlagen mit oder ohne WC an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in Rheinland-Pfalz. Davon befinden sich 269 an Bundesstraßen, 220 an Landesstraßen und 76 an Kreisstraßen. Für die Rastanlagen an den Autobahnen ist seit 2021 die Autobahn GmbH des Bundes zuständig.
Regelmäßige Kontrollen
Alle 565 Rastanlagen im Zuständigkeitsbereich des Landesbetriebs sind nicht bewirtschaftet, es gibt keine Möglichkeit zum Kauf von Speisen und Getränken. Alle Rastanlagen werden bei der regelmäßigen Streckenwartung durch die zuständigen Straßenmeistereien kontrolliert. An Bundesstraßen erfolgt die Kontrolle laut LBM grundsätzlich einmal wöchentlich, an Landes- und Kreisstraßen in der Regel alle 14 Tage.
Bei den Kontrollen wird der allgemeine Zustand der Rastanlagen überprüft. Dabei achten die Mitarbeitenden auf Verschmutzungen, illegale Müllablagerungen und sonstige erkennbare Mängel. Die regelmäßige Leerung der Abfallbehälter wird landesweit in der Regel durch private Unternehmen durchgeführt. Auch die Reinigung vorhandener WC-Anlagen erfolgt durch beauftragte Unternehmen.
Zwei Autobahnrastplätze fallen beim ADAC-Text durch
Die Ausstattung der nicht bewirtschafteten Rastanlagen orientiere sich an bundesweiten Empfehlungen. Größere strukturelle Defizite an den Landesstraßen in Rheinland-Pfalz seien derzeit nicht bekannt, teilten Innenministerium und LBM auf eine Anfrage der AfD-Fraktion mit.
Der ADAC hat jüngst bundesweit 50 unbewirtschaftete Rastplätze an Autobahnen unter die Lupe genommen. Zwei Autobahnrastplätze in Rheinland-Pfalz fielen dabei durch: Sowohl der Rastplatz Hundsheide an der Autobahn A61 im Hunsrück als auch der Rastplatz Spitzenrheinhof an der A61 bei Speyer bekamen die Note "sehr mangelhaft".
Dringender Handlungsbedarf
Bei der Hundsheide sahen die Tester vor allem Mängel bei den Sanitäranlagen. Die Herrentoilette sei unangekündigt gesperrt, die Behindertentoilette verschlossen gewesen. Seifenspender und Händetrockner hätten nicht funktioniert, es habe keinen Notruf in zentraler Lage gegeben.
Am Platz Spitzenrheinhof fehle die angekündigte Toilette für Menschen mit Behinderung, mehrere Toiletten seien verschlossen und eine verstopft gewesen. Der Parkplatz sei zudem schlecht beleuchtet. Laut ADAC wurden bundesweit nach dem Test fast die Hälfte der Plätze mit "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft" bewertet.
Neue Rastplätze in der Planung
Der Rastplatz Argentahl an der Bundesstraße 50 hat Behindertentoiletten, es gibt eine Möglichkeit zum Wickeln von Babys und bei Dunkelheit durchgehend eine Beleuchtung sowohl des Außengeländes als auch des Sanitärgebäudes. Nach Einschätzung von Straßenwärtermeister Wulf hat der Vandalismus in den vergangenen Jahren nicht zugenommen.
Neubauten und Erweiterungen von Rastanlagen sind nach Angaben des Landesdienstes Mobilität an mehreren Bundesstraßen in Rheinland-Pfalz in den kommenden Jahren vorgesehen. Dabei geht es um Bundesstraße 50 im Bereich Lautzenhausen, die B 327 bei Immert und die Bundesstraße 255 im Bereich Ettinghausen.