Mecklenburg-VorpommernSegeltörn mit Kokain - "Der Dicke war der Chef"

Der Angeklagte erzählt viel und gerne und dabei wort- und detailreich. Staatsanwalt und Gericht versuchen, ihn einzubremsen, wenn es zu ausschweifend wird.
Rostock (dpa/mv) - Im Prozess um eine Segelfahrt mit Kokainladung hat der Hauptangeklagte geschildert, wie die portugiesische Marine die Segeljacht im August vorigen Jahres in der Nähe der Azoren im Atlantik aufbrachte. Die Soldaten hätten das Boot geentert und seien an Bord gekommen. Dann sei einer von ihnen gezielt unter Deck gegangen und habe das unter dem Bett versteckte Kokain gefunden, erzählte der 59-Jährige.
An Bord war auch die 68-jährige Frau des Skippers, die in der Situation völlig aufgelöst und schockiert gewesen sei. Beide waren Anfang Juli 2025 von Kolumbien aus mit rund 264 Kilogramm an Bord Richtung Europa gestartet. Nach dem Stopp durch die Marine wurde das aus dem Landkreis Rostock stammende Duo auf der Azoren-Insel São Miguel dem Haftrichter vorgeführt und später über Lissabon nach Deutschland geflogen.
In Kolumbien hatte der 59-Jährige Kontakt zu einem Kartellchef, den er als "den Dicken" bezeichnete. "Der Dicke war der Chef", sagte er. Ein Mittelsmann namens Héctor stellte die Kontakte her. Der war in Deutschland und auch in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena Ansprechpartner. Dort wurde das Kokain im Schwarzmarktwert von etwa 15 Millionen Euro an Bord genommen. Ursprünglich hätte es nach der Atlantiküberquerung in der deutschen Nordsee übergeben werden sollen.
Angeklagte Frau will am 6. November aussagen
Vor Gericht erzählte der Angeklagte auch von seinen Verbindungen in das Milieu der Organisierten Kriminalität in Berlin, wo er auch mit einem Mann in Kontakt stand, der als "Pate von Berlin" bekannt sei.
Der Angeklagte bestand bei der Befragung mehrfach darauf, die Geschichte von Anfang an zu erzählen. Nur so würde sich der Zusammenhang klären. Der Richter verwies aber darauf, dass er seine Geschichte schon mehrfach aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt und seine Version hinreichend dargestellt habe. Er werde ihm zwar nicht das Wort entziehen, ihm fehle es aber an Vorstellungskraft, was der Angeklagte noch ergänzen wolle, so der Richter.
Am 6. November will die mitangeklagte Frau aussagen. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Im großen Gerichtssaal sind auch maskierte Polizisten anwesend. Besucher müssen Sicherheitsschleusen passieren. Die Jalousie-Vorhänge des Saals bleiben zum Sichtschutz während der Verhandlungen geschlossen. Die Angeklagten gelten als "hochgefährdet" und sollen vor etwaigen Bedrohungen aus dem Milieu der Organisierten Kriminalität geschützt werden.