Regionalnachrichten

Mecklenburg-VorpommernRegierungsbildung - Landesfrauenrat nennt Forderungen

01.10.2026, 14:23 Uhr
image

Frauen sind beruflich aktiv, bekommen Kinder und pflegen Angehörige - die künftige Landesregierung muss auf ihre Bedürfnisse besonders eingehen, fordert der Landesfrauenrat. Das sind die Forderungen.

Rostock/Schwerin (dpa/mv) - Kurz nach dem Start der Gespräche von SPD, Linken und Grünen zur Bildung der neuen Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern fordert der Landesfrauenrat in Rostock einen besonderen Fokus auf den weiblichen Teil der Bevölkerung. "Die Gespräche finden hinter verschlossenen Türen statt, und doch werden hier bereits die Weichen für die kommenden fünf Jahre gestellt", erklärt die Geschäftsführerin des Landesfrauenrats MV, Kathrin Herold. Deshalb müsse die Gleichstellung von Beginn an Teil der Verhandlungen sein. Rund 800.000 Einwohner des Landes sind den Angaben zufolge Frauen.

Wer profitiert vom Geld des Landes?

Sechs Empfehlungen gibt die Vereinigung den künftigen Koalitionären. Sie reichen von der Geburtshilfe bis zum Landeshaushalt. So sollte aus Sicht des Landesfrauenrats mit einer geschlechtergerechte Haushaltsplanung sichergestellt werden, dass öffentliche Gelder Frauen und Männern gleichermaßen zugutekommen.

"Das Land gibt jedes Jahr rund 12 Milliarden Euro aus", erläutert Herold. "Ob dieses Geld Frauen und Männern gleichermaßen zugutekommt, prüft bisher niemand systematisch." Eine geschlechtergerechte Haushaltsplanung frage bei jeder Einnahme und Ausgabe, wer davon profitiert. "Die neue Landesregierung sollte Gender Budgeting deshalb verbindlich im Landeshaushalt verankern." Auch bei der Verteilung von EU-Geld müsse auf die Geschlechtergerechtigkeit geachtet werden.

Versorgung rund um die Geburt

Die Zahl der Geburtskliniken in MV hat sich seit 1991 halbiert, die Zahl der Geburten befindet sich mit knapp 8.400 im letzten Jahr auf einem historischen Tiefstand. Vor allem auf dem Land sei die Versorgung von Schwangeren fragil und sie könne durch Maßnahmen zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge weiter unter Druck geraten, so der Landesfrauenrat. "Es braucht deshalb ein verbindliches Landeskonzept, das die Betreuung von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett sichert." Denkbar sei etwa eine geteilte Vorsorge von Hebammen und Ärzten.

Mehr Frauen in die IT

In Mecklenburg-Vorpommern sind dem Landesfrauenrat zufolge lediglich rund 16 Prozent der Beschäftigten in IT-Berufen weiblich. Der Anteil sinkt demnach seit Jahren. "Bei den 2025 neu abgeschlossenen IT-Ausbildungsverträgen lag er sogar bei nur 12 Prozent", berichtet Herold. Gleichzeitig fehlten in der Branche Fachkräfte. Wenn zudem vor allem Männer digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz entwickelten, flössen die Perspektiven von Frauen kaum ein. Der Landesfrauenrat MV schlägt deshalb eine landesweite, dauerhaft finanzierte Initiative vor. Sie soll bestehende Angebote entlang der gesamten Bildungs- und Berufsbiografie bündeln und besser miteinander verknüpfen.

Schutz vor Gewalt

Für den Schutz von Frauen gegen Gewalt sind aus Sicht des Landesfrauenrats besondere Anstrengungen nötig. "2025 registrierte die Polizei so viele Fälle häuslicher Gewalt wie noch nie seit 1990", so Herold. Mehr als 5.000 Fälle sind demnach in MV registriert worden. Der bundesweite Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung greife jedoch erst ab dem Jahr 2032.

Quelle: dpa

Regionales