HessenWas Deutschlands beste Schule so besonders macht

Eine südhessische Schule hat in Berlin den Deutschen Schulpreis gewonnen. Was ist an der Bertha-von-Suttner-Schule so anders - und was finden die Schüler selbst am wichtigsten?
Mörfelden-Walldorf (dpa/lhe) - Ein Preisgeld von 100.000 Euro und ein Bundeskanzler mit Tränen in den Augen: Die beste Schule Deutschlands steht seit vergangener Woche offiziell in Südhessen. Dass die Bertha-von-Suttner-Schule die Jury des Deutschen Schulpreises überzeugen konnte, hat für Schulleiterin Ute Zeller nichts mit glitzernden kurzfristigen Projekten zu tun: "Wir sind nicht dafür geehrt worden, dass wir hier irgendwas ganz schnell anders gemacht haben. Sondern 20 Jahre lang kontinuierlich."
Die "Bertha" ist eine integrierte Gesamtschule in Mörfelden-Walldorf. Mehr als 2.000 Kinder und Jugendliche gehen hier zur Schule. Nur etwa 15 Prozent von ihnen bringen eine Gymnasialempfehlung mit - aber von den übrigen Schülerinnen und Schülern machen etwa zwei Drittel das Abitur, so die Schule.
"Kein Schüler hier ist eine Nummer"
Für die Schülerinnen und Schüler selbst ist es vor allem die Menschlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer, die die Schule für sie so besonders macht. "Sie haben immer gemerkt, wenn was falsch war, und sind zu uns hergekommen", erzählt Schulsprecher Adrian Prodanović. Der 19-Jährige geht in die 13. Klasse und ist schon seit der 5. Klasse auf der Bertha. "Der Schüler an sich steht im Mittelpunkt. Kein Schüler hier ist eine Nummer oder irgendeine Anzahl, sondern jeder Schüler ist seine eigene Person, sein eigenes Individuum."
Das hat auch Melissa Hellmann erlebt, als die heute 18-Jährige vor ein paar Jahren auf die Gesamtschule wechselte. Damals hatte sie Angst, keinen Anschluss zu finden. "Dann hatte ich eine supertolle Lehrerin. Die ist bis heute noch wie unsere Mutter", sagt die Zwölftklässlerin. Mit ihr könne sie immer reden. "Ich habe dadurch einfach gemerkt: Okay, auf mich wird geachtet", erzählt sie. "Deshalb hat sie einen großen Platz in meinem Herzen."
Schülerprojekte und KI-Lernhelfer
Das Motto der Schule ist "ermutigen und stärken". Das prägt auch den Unterricht: In der Unterstufe wird den Kindern beim selbstgesteuerten Lernen beigebracht, wie sie sich selbst organisieren. In der Mittelstufe setzen sie dann eigene Projekte um, etwa zu Nachhaltigkeit oder Stadtentwicklung. "Man kann den Kindern aber nicht einfach so ein Projekt geben, wenn sie nicht vorher ganz strukturiert gelernt haben: Wie können wir unsere Zeit einteilen? Wie können wir in der Gruppe arbeiten?", sagt Jan Krug, der die Abteilung Unterrichtsentwicklung leitet.
Außerdem hat die Schule beispielsweise eine eigene "Bertha-KI" entwickelt, die ein Lernbegleiter für die Kinder und Jugendlichen werden soll. Ihr Vorläufer waren KI-Bots, von denen sich die Schülerinnen und Schüler testen lassen konnten. Sie empfahlen ihnen dann passende Einheiten für ihre individuellen Schwachstellen.
Die menschliche Komponente bleibt aber wichtig, etwa durch Mitbestimmung. Wichtig sei, regelmäßig Feedback von den Schülerinnen und Schülern einzuholen und auch umzusetzen, betont Krug. Zusätzlich zu den Klassenlehrern gebe es Hauslehrer, die für die Kinder sichere Ansprechpartner sein sollen. In Kleingruppen werden zudem Herausforderungen individueller Schüler angegangen - egal ob Mathe oder das richtige Packen des Schulranzens.
Eine Schule wie ein Unternehmen
Der Erfolg der Schule liegt laut Schulleiterin Zeller auch an ihrer Struktur. "Die Schule funktioniert im Prinzip wie ein Unternehmen", erklärt sie. Das klinge zunächst seltsam, aber: "Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir mit unseren Kunden - das sind die Schüler - ein richtig gutes Produkt gemeinsam gestalten können, und zwar die Bildung."
Das funktioniere durch Aufgabenteilung und klare Strukturen. Es gibt zum Beispiel Abteilungsleiter für Unterrichtsentwicklung oder Qualitätsmanagement. In den einzelnen Abteilungen kümmern sich wiederum kleine Lehrer-Teams um Projekte wie die Begabtenförderung oder die technologische Entwicklung.
"Es ist so merkwürdig, dass an Schulen immer noch so kurzfristig gedacht wird", sagt Krug. Eine klare Struktur trägt demnach dazu bei, dass die Teams an der Bertha langfristig planen und am Ball bleiben. Zudem werde die Arbeit effizienter, sodass den Lehrkräften mehr Zeit bleibe, um auf die Kinder einzugehen.