HessenErst friedlich, dann Gewalt - Frankfurter Demo aufgelöst

Tausende folgen dem Aufruf der Initiative "Gen Z regelt" und ziehen zunächst friedlich durch Frankfurt. Am Abend schlägt der Protest in Gewalt um, Polizisten werden verletzt. Was bisher bekannt ist.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ein über weite Strecken friedlicher Protest tausender Menschen in Frankfurt ist mit Gewalt und Ausschreitungen zu Ende gegangen. Tausende Menschen folgten einem Aufruf der Initiativen "Gen Z regelt" und "Generation Aufbruch" und demonstrierten für mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie gegen die Einführung einer Wehrpflicht. Stunden später kippte die Stimmung.
Polizisten wurden nach eigenen Angaben mit Böller, Steinen und Flaschen beworfen. Es kam auch zu Auseinandersetzungen zwischen Beamten und Teilnehmern der Demonstration. Mehrere Beamte erlitten nach ersten Erkenntnissen des Innenministeriums Verletzungen. Die Zahl der Verletzten unter den Demonstranten war zunächst nicht bekannt.
Tumultartige Szenen am Abend
Die Polizei löste den Demonstrationszug am frühen Abend auf, Ruhe kehrte damit aber nicht ein. Einzelne Gruppen und viel Polizei waren in der Frankfurter Innenstadt unterwegs, insbesondere in der Nähe der Einkaufsstraße Zeil zwischen Konstablerwache und Hauptwache kam es zu teils tumultartigen Szenen und Scharmützeln zwischen Randalierern und Polizei. Ein Hubschrauber beobachtete die Entwicklung aus der Luft.
"Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass wir damit rechnen müssen, dass sich linksextremistisches Gewaltpotenzial unter diese Demonstration mischen wird, und so ist es gekommen", sagte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) am Abend.
"Wir gehen von ungefähr 100 linksextremistisch motivierten Gewalttätern aus. Diese haben die Polizei massiv angegriffen mit Flaschenwürfen, mit Steinen und mit Pyrotechnik." Seinen Angaben zufolge wurde ein Beamter möglicherweise etwas schwerer verletzt, "aber das bedarf noch der weiteren Aufarbeitung", sagte er.
Pyrotechnik, Böller und Steinwürfe
Bis zu 8.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Polizei zwischenzeitlich an dem Demonstrationszug, der über Stunden mehrere Kilometer durch die Frankfurter Innenstadt unterwegs war. Die Veranstalter sprachen von rund 9.000 Teilnehmern.
Immer wieder stoppte die Polizei unterwegs den Aufzug, weil sich einzelne Teilnehmer verbotenerweise vermummten oder Pyrotechnik gezündet wurde. Gut einen Kilometer vor dem Abschluss an der Weseler Werft im Osten Frankfurts, wo der Aufzug auch gestartet war, eskalierte die Situation schließlich.
Die Polizei sprach unter anderem von anhaltenden Steinwürfen gegen den Wasserwerfer und gegen Beamte. "Wir setzen unseren Wasserwerfer gegen die Störer ein", schrieb die Polizei auf WhatsApp. Gegen 18.20 Uhr teilte sie mit, die Versammlung sei aufgrund des "unfriedlichen Verlaufs" aufgelöst worden.
Polizei geht teils massiv vor
Nach dem Ende des Demozuges rief die Polizei unter anderem mit Lautsprecherdurchsagen immer wieder dazu auf, Ansammlungen in der Innenstadt aufzulösen und sich von Gewalttätern zu distanzieren.
An der Konstablerwache versuchten Randalierer eine Blockade mit einem umgekippten Müllcontainer zu errichten, wie dpa-Reporter beobachteten. Die Polizei verhinderte dies mit massivem Einsatz. Gegen 20.45 Uhr sagte ein Sprecher, dass die Lage etwas ruhiger geworden sei. Es sei aber nach wie vor ein großes Polizeiaufgebot vor Ort, Schwerpunkt sei die Konstablerwache.
Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Einzelhändler in den Innenstädten und vor allem in Luxus-Einkaufsstraßen auch in Frankfurt vorsorglich ihre Schaufenster mit Holzplatten oder anderem verbarrikadiert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, auch wenn das Innenministerium in Wiesbaden nicht mit Ausschreitungen wie jüngst bei den Sozialprotesten in Frankreich rechnete.
Ihren Anfang hatte die Proteste am Nachmittag an der Weseler Werft am Main in der Nähe der Europäischen Zentralbank (EZB) genommen. Angemeldet waren in der Main-Metropole ursprünglich zwei Kundgebungen. Laut Polizei wurde eine nach kurzer Zeit beendet und ein gemeinsamer Demozug gebildet. Die Veranstalter appellierten an die Teilnehmer, friedlich zu bleiben.
Redner kritisierten unter anderem den Sparkurs bei Bildung und Gesundheit. Auf Plakaten forderten Teilnehmer mehr Perspektiven und mehr Gerechtigkeit für junge Menschen. In der Menge waren Sprechchöre ganz unterschiedlicher Gruppen zu hören, etwa "Wir steh'n auf" über "Merz muss weg" bis hin zu "Revolution" und "Viva Palästina".
Bundesweite Proteste
Die Initiative "Gen Z regelt" setzt sich unter anderem für mehr Klimaschutz ein, fordert Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und positioniert sich gegen die Einführung einer Wehrpflicht. Bundesweit waren für diesen Samstag in mehr als 30 Städten Proteste angekündigt.
Auf der Homepage von "Gen Z regelt" konnte man mit einem einfachen Mausklick angeben, dabei sein zu wollen. Das hatten bis zum Protestbeginn um 14.00 Uhr zwar mehr als 182.100 Menschen getan. Die in den Städten offiziell angemeldeten erwarteten Teilnehmerzahlen waren allerdings deutlich niedriger. Deutschlandweit schlossen sich letztlich mehrere Zehntausend den Jugendprotesten an.
Friedliche Demo in Kassel
Deutlich friedlicher ging es bei einer weiteren Kundgebung in Hessen zu: In Kassel versammelten sich am Nachmittag der Polizei zufolge zwischen 500 und 600 Menschen. Dort sei alles friedlich geblieben, sagte ein Polizeisprecher.