Berlin & BrandenburgProtest von "Gen Z": Tausende Menschen am Brandenburger Tor

Sie wollen ihrer Generation eine Stimme geben. Bundesweit gehen sie dafür auf die Straße. Anders als in anderen Städten bleibt es in Berlin zunächst friedlich.
Berlin (dpa/bb) - Tausende Menschen sind in Berlin dem Aufruf der Initiative "Gen Z regelt" gefolgt und haben friedlich demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich rund 11.000 Menschen am Brandenburger Tor, die Polizei sprach hingegen von etwa 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Spitze. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung.
"Es ist total ermutigend, dass so viele Menschen aus der ganzen Gesellschaft gekommen sind", sagte Sprecherin Veronika Dinter, die die Demonstration in Berlin mitorganisiert hatte. "Die Versammlung verlief wie erwartet friedlich", sagte Polizeisprecher Jörn Iffländer.
Die Gruppierung "Gen Z regelt" fordert unter anderem mehr Geld für Schulen, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Einführung der Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
"Wir wollen eine lebenswerte Zukunft"
Viele Menschen trugen selbstgemachte Schilder oder Plakate mit sich. Darauf war unter anderem zu lesen: "Wir haben genug und haben nichts davon", "Wir wollen eine lebenswerte Zukunft", "Was macht ihr mit unserer Zukunft" oder "System update erforderlich" und "Wer Krieg will, soll selbst hingehen". Auf einem großen Banner war auch zu lesen: "Merz muss weg".
Während der Veranstaltung erschallte unter anderem der bekannte Protestslogan der Klimabewegung Friday for Future "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut". Am Rande des Platzes riefen Demo-Teilnehmer einigen rechten Streamern und AfD-Mitgliedern "Nazis raus", "Haut ab" und "Ganz Berlin hasst die AfD" entgegen. Nach Angaben von Polizeisprecher Iffländer wurden zwei Menschen wegen "wechselseitiger Körperverletzungen" sowie ein Streamer kurzzeitig festgenommen.
Gemischte Teilnehmergruppen
An dem Protest in Berlin beteiligten sich vor allem ältere Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende und Studierende. Aber auch die ältere Generation war vertreten, darunter "Omas gegen Rechts" sowie ein Mann mit dem Schild "Opa auch" in der Hand. Zudem nahmen Mitglieder linker und kommunistischer Parteien sowie propalästinensischer Gruppen teil. Einige Menschen trugen Halloween-Kostüme, ein paar hatten ihre Gesichter mit Schals vermummt.
Im Vorfeld des bundesweiten Protesttags hatte es Befürchtungen gegeben, dass die Jugendproteste von radikalen Kräften unterwandert werden könnten. Die Organisatoren von "Gen Z regelt" riefen zum Auftakt der Kundgebung am Brandenburger Tor erneut ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnten jede Form von Gewalt ab. "Wer das anders sieht, der ist nicht willkommen", hieß es zum Auftakt von der Bühne.
Weitere Demo am Abend
Am frühen Abend sollte es in Berlin-Mitte noch einen Protestzug geben mit dem Titel "Gen Z hat genug!". Der Veranstalter ist laut Polizei dem linken Spektrum zuzuordnen, auch Teilnehmer der propalästinensischen Szene wurden erwartet. In der linksextremistischen Szene wurde für die Proteste mobilisiert.
Einige Teilnehmer der Demonstration am Brandenburger Tor machten sich nach dem Ende der Veranstaltung auf, um an dem Protestzug teilzunehmen, der am Rosenthaler Platz starten sollte.
Die Polizei ist den ganzen Tag über nach eigenen Angaben mit rund 1.500 Polizistinnen und Polizisten zusätzlich in der Stadt unterwegs. Sie sieht in der Demonstration am Abend mehr Konfliktpotenzial. Vor allem in Kombination mit der Halloween-Nacht, die regelmäßig in Berlin vermehrt zu Polizeieinsätzen führt.
Die Sicherheitsbehörden rechnen aber nicht mit Plünderungen und haben nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über gezielte Gewaltaufrufe. Gleichwohl haben einige Läden auf dem Berliner Kurfürstendamm ihre Schaufenster mit Holzplatten abgesichert. Einige Geschäfte wollten auch früher schließen. Der Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg sah dafür nach Gesprächen mit den Sicherheitsbehörden beider Länder keinen Anlass.