Baden-WürttembergUnruhe in Abschiebehaft wegen Einschränkungen der Freizeit

Polizei, Verhandlungsgruppe und Dolmetscherin im Einsatz: Warum sich 20 Häftlinge in Pforzheim weigerten, den Gemeinschaftsraum zu verlassen.
Pforzheim (dpa/lsw) - In einer Abschiebungshafteinrichtung in Pforzheim sollen 20 Häftlingen aus Unzufriedenheit über Einschränkungen in der Freizeit den Gemeinschaftsraum nicht verlassen und für Unruhe gesorgt haben. Dies zog einen größeren Einsatz am Donnerstag mit zahlreichen Polizisten, einer Verhandlungsgruppe und einer Dolmetscherin nach sich, wie das Regierungspräsidium Karlsruhe mitteilte.
Der Vorfall begann am Abend im Untergeschoss der Einrichtung. Die Freizeit war an diesem Tag verzögert gestartet, nachdem es am Nachmittag zu einem separaten Körperverletzungsdelikt zwischen Häftlingen gekommen war. Als die Betroffenen den Freizeitbereich nach dem vorgesehenen Tagesablauf nicht verlassen wollten, schloss das Personal die Tür, um eine weitere Zuspitzung zu verhindern.
Verhandlungsgruppe nahm über Sprechanlage Kontakt auf
Nach Eintreffen von Polizeikräften und einer Verhandlungsgruppe inklusive Dolmetscherin wurde über die Sprechanlage Kontakt mit den Betroffenen aufgenommen. Schließlich zeigte sich die Gruppe kooperativ und wurde einzeln zurück in ihre Unterbringungsbereiche gebracht.
Nach aktuellem Kenntnisstand wurde einer leicht verletzt. Unter den Mitarbeitern gab es keine Verletzungen. Während der Unruhen soll es keine körperlichen Auseinandersetzungen gegeben haben, sagte ein Polizeisprecher. Weshalb einer der Häftlinge an der Lippe verletzt wurde, blieb unklar.
Am Nachmittag griffen Häftlinge einen Mithäftling an
Bei dem Vorfall am Nachmittag sollen mehrere Häftlinge einen Mithäftling in seinem Zimmer angegriffen und leicht verletzt haben. Der Geschädigte kam daraufhin in ein Krankenhaus. Zum genauen Ablauf und Motiv ermittelt die Polizei. Der Vorfall steht nach ersten Erkenntnissen nicht in direkter Verbindung mit den Unruhen.